Kink, Fetisch, BDSM, Vanilla, Safeword, Aftercare. Wer zum ersten Mal in diese Welt hineinliest, stolpert über eine Menge Begriffe, die oft so selbstverständlich benutzt werden, als hätte man sie in der Schule gelernt. Hat man natürlich nicht. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Wörter in normaler Sprache, zeigt, welche Regeln sich die Szene selbst für Zustimmung gegeben hat, und wie ein Gespräch darüber aussehen kann, ohne dass es peinlich wird. Was jemand mag, bewerten wir dabei nicht. Es geht ums Verstehen.
Inhalt
Was ist der Unterschied zwischen Kink, Fetisch und BDSM?
Kink ist der Oberbegriff, BDSM und Fetisch sind Teile davon. So ordnet es eine Fachinformation der American Counseling Association ein, des US-Berufsverbands der Beratungsfachleute. Kink umfasst danach BDSM, Rollenspiele, Sexspiele, Fantasien, Fetische und andere erotische Ausdrucksformen. BDSM ist eine Abkürzung aus drei Paaren, nämlich Bondage und Disziplin, Dominanz und Unterwerfung sowie Sadismus und Masochismus. Ein Fetisch ist ein starkes Interesse an bestimmten Handlungen, Gegenständen, Stoffen oder Kleidungsstücken.
Man kann also einen Fetisch für Latex haben, ohne je gefesselt werden zu wollen. Und man kann Spass an Machtspielen haben, ohne einen Fetisch für irgendein Material. Die Wörter überschneiden sich, sie bedeuten aber nicht dasselbe.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Bondage | Körperliche oder psychische Fesselung, etwa mit Handfesseln oder Anweisungen |
| Dom oder Domme, Sub | Die Person, die im Spiel Kontrolle übernimmt, und die, die sie freiwillig abgibt |
| Szene | Eine geplante, verabredete Spielsituation |
| Play | Das, was innerhalb der Szene tatsächlich passiert |
| Safeword | Ein vorher vereinbartes Wort, das das Spiel sofort beendet |
| Aftercare | Die Zeit danach, in der man sich körperlich und emotional umeinander kümmert und über das Erlebte spricht |
| Vanilla | Umgangssprachlich für Sex ohne Kink, ohne Wertung gemeint |
Wie verbreitet sind solche Vorlieben?
Verbreiteter, als viele denken. In einer für Belgien repräsentativen Befragung von 1027 Erwachsenen hatten 46,8 % mindestens einmal eine BDSM-bezogene Praktik ausprobiert, weitere 22 % hatten Fantasien dazu. 12,5 % taten es regelmässig, aber nur 7,6 % bezeichneten sich selbst als BDSM-Praktizierende (Holvoet u. a., 2017). Von denen, die ein Interesse angaben, hatten 61,4 % es vor dem 25. Lebensjahr bemerkt.
Die Zahlen zeigen vor allem eines. Zwischen «ausprobiert» und «gehöre dazu» liegt ein weiter Raum. Wer neugierig ist, muss sich keiner Szene zuordnen. Die Autorinnen und Autoren der Studie folgern aus dem hohen Interesse, dass es gegen Stigmatisierung und gegen die Einordnung als krankhaft spricht.
Was bedeuten SSC, RACK und die 4Cs?
Es sind drei Leitlinien für Zustimmung, die aus der Szene selbst stammen. SSC steht für «Safe, Sane and Consensual», also sicher, bei klarem Verstand und einvernehmlich. RACK steht für «Risk-Aware Consensual Kink», einvernehmlicher Kink im Bewusstsein der Risiken. Beide stellen Zustimmung und Risikobewusstsein ins Zentrum, schreibt die American Counseling Association.
Der Unterschied liegt in der Haltung zum Risiko. SSC klingt, als liesse sich jedes Spiel sicher machen. RACK sagt ehrlicher, dass manches ein Risiko trägt und alle Beteiligten es kennen und bewusst annehmen müssen. Viele haben den Begriff SSC laut der Fachinformation auch deshalb aufgegeben, weil das Wort «sane» Menschen abwertet, die psychisch krank sind oder waren.
Neuer ist das Modell der 4Cs, das die Forschenden D. J. Williams, J. Thomas und E. Prior 2014 vorgestellt haben. Die vier C stehen für Caring, Communication, Consent und Caution, also Fürsorge, Gespräch, Zustimmung und Vorsicht. Es gilt als umfassender, weil es offene Kommunikation und das seelische Wohl mit einbezieht. Das Modell unterscheidet ausserdem drei Ebenen der Zustimmung.
- Die Oberfläche, ein erstes «Ja, interessiert mich» oder «Nein», bevor irgendein Detail besprochen ist.
- Die Szene, die Absprache darüber, was vorher, währenddessen und danach passiert, mit Safeword und Plan für die Aftercare.
- Die Tiefe, also ob jemand im Moment überhaupt noch fähig ist, Unbehagen zu zeigen und abzubrechen.
Die dritte Ebene ist die heikelste. Wer stark erregt, erschöpft oder überwältigt ist, kann ein Safeword unter Umständen nicht mehr aussprechen. Die Fachinformation folgert daraus, dass Neulinge und Paare ohne gewachsenes Vertrauen ein höheres Risiko für ungewollte Grenzverletzungen tragen. Intensive Spiele gehören darum an das Ende eines langen Kennenlernens, nicht an den Anfang.
Ist Kink eine psychische Störung?
Nein, nicht für sich genommen. Das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 stuft Fetischismus, sexuellen Sadismus oder Masochismus nur dann als Störung ein, wenn jemand darunter leidet, etwa an Angst, Schuld oder Scham, oder wenn wichtige Lebensbereiche beeinträchtigt sind. Beim Sadismus nennt die Fachinformation zusätzlich die Bedingung, dass er sich gegen eine Person ohne deren Zustimmung richtet. So fasst es die American Counseling Association zusammen.
Einvernehmlicher Kink ohne Leidensdruck ist damit kein Befund. Wer sich mit den eigenen Wünschen aber unwohl fühlt, findet bei einer sexualtherapeutischen Beratung Unterstützung. Das ist kein Eingeständnis, dass etwas falsch ist.
Wie sprecht ihr über Wünsche und Grenzen?
Vorher, in Ruhe und so konkret wie möglich. Ein bewährtes Werkzeug ist eine Liste mit «Ja», «Nein» und «Vielleicht», wie sie die gemeinnützige Aufklärungsseite Scarleteen ausführlich anbietet. Jede Person füllt sie allein aus, dann vergleicht ihr. Scarleteen betont, dass die Antworten eine Momentaufnahme sind und sich verschieben dürfen.
Planned Parenthood, eine Gesundheitsorganisation in den USA, beschreibt Zustimmung als freiwillig, jederzeit widerrufbar, informiert, begeistert und konkret. Für Kink ist der Punkt «informiert» besonders wichtig. Wer Ja zu Handfesseln sagt, muss wissen, wie lange, wie fest und was dann passieren soll. Ein Ja zur Augenbinde ist kein Ja zu dem, was die andere Person im Dunkeln vorhat.
Dazu gehört ein Safeword. IWWIT, die Präventionskampagne der Deutschen Aidshilfe, rät, vor dem Spiel ein Codewort zu vereinbaren, dessen Nennung das Spiel sofort beendet. Sie rät ausserdem, vor Spielbeginn zu klären, wie alle zu Drogen stehen, und dass Drogen für den aktiven Part tabu sein sollten. Wie Safewords ohne Sprache funktionieren und was beim Fesseln zu beachten ist, steht im Ratgeber BDSM sicher beginnen.
Zustimmung im Schweizer Strafrecht
Seit dem 1. Juli 2024 gilt in der Schweiz ein revidiertes Sexualstrafrecht. Strafbar ist nach Artikel 189 und 190 des Strafgesetzbuchs, wer eine sexuelle Handlung gegen den Willen einer Person vornimmt oder dafür einen Schockzustand ausnützt. Entscheidend ist also der Wille der Person. Wer vor Schreck erstarrt und sich nicht wehrt, hat damit nicht eingewilligt.
Für Kink folgt daraus nichts Neues, nur etwas Klareres. Eine Szene, auf die sich alle geeinigt haben, bleibt ein Spiel. Wird das Safeword übergangen oder macht jemand weiter, obwohl die andere Person sichtlich erstarrt, ist es keines mehr. Das ist keine Rechtsberatung, sondern eine Beschreibung dessen, was im Gesetz steht.
Ein ruhiger Einstieg
Die meisten fangen klein an, und das ist klug. Eine Augenbinde, ein Spiel, bei dem eine Person zehn Minuten lang bestimmt, ein langsames Ausziehen auf Anweisung. Dafür braucht ihr nichts zu kaufen. Ihr merkt schnell, ob euch das Geben oder das Abgeben von Kontrolle reizt und wie es sich danach anfühlt.
Wer lieber mit einem Rahmen spielt, findet bei den Brettspielen und Kartenspielen Ausgaben mit Bondage- oder Kink-Thema, etwa die «Sexmatch Bondage Edition» oder «Kinky or Vanilla» von Secretplay. Auf welche Sprache ihr dabei achten müsst, erklärt der Ratgeber Erotische Spiele für Paare. Bei Nippelklemmen oder Fesseln gilt, was der Hersteller zur Tragedauer schreibt. Und nach dem ersten Mal redet ihr darüber, was gut war und was nicht. Das ist schon Aftercare.
Ein Beispiel aus dem Sortiment zeigt, dass auch Hersteller das ernst nehmen. Die «Challenge 30 Tage Bondage» von Secretplay steigert sich laut Lieferant über einen Monat und nennt im Text vorab eigene Grundregeln. Vor dem Spiel sollen alle ihre Grenzen festlegen und ein Sicherheitswort wählen, nichts darf um den Hals gebunden werden, und eine Schere mit runder Spitze soll in Reichweite liegen. Das deckt sich mit dem, was Präventionsstellen raten. Die Karten gibt es bei uns allerdings nur auf Spanisch und Englisch oder auf Französisch und Portugiesisch.
Typische Missverständnisse
«Kink heisst Schmerz.» Für manche ja, für viele nicht. Ein Rollenspiel, ein Material auf der Haut oder ein Spiel mit Anweisungen tut niemandem weh.
«Wer dominiert, bestimmt alles.» Innerhalb der verabredeten Grenzen vielleicht. Die Grenzen selbst legen alle gemeinsam fest, und die Person, die Kontrolle abgibt, kann jederzeit abbrechen. In der Fachinformation heisst es, dass die unterwürfige Person die Kontrolle freiwillig und mit ausdrücklicher, begeisterter Zustimmung abgibt.
«Ein Safeword zu benutzen heisst, versagt zu haben.» Es heisst, dass die Absprache funktioniert. Wer das Wort nie benutzt, weil es sich wie eine Niederlage anfühlt, hat ein Problem mit dem Spiel, nicht mit sich.
«Was einmal ging, geht immer.» Zustimmung gilt für jetzt. Planned Parenthood schreibt ausdrücklich, dass auch Paare, die lange zusammen sind, jedes Mal neu zustimmen.
Wenn ihr Toys einbezieht, die gar nichts mit Fesseln zu tun haben, lest weiter im Ratgeber Sextoys für Paare. Und wie Ausrüstung aus Leder oder Latex gepflegt wird, steht unter Lack, Latex und Leder richtig pflegen.
