Augenbinde, Handfesseln, ein Klaps auf den Po. Für viele beginnt BDSM ganz klein, mit einem Spiel um Kontrolle, Hingabe oder einen leichten Schmerz, der sich gut anfühlt. Damit sind sie nicht allein. In einer repräsentativen Befragung in Belgien hatten 46,8 % der Erwachsenen schon mindestens eine BDSM-bezogene Praktik ausprobiert, weitere 22 % hatten entsprechende Fantasien (Holvoet u. a., 2017). In einer Befragung in den USA gaben mindestens 20 % an, schon einmal gefesselt worden zu sein oder jemanden gefesselt zu haben (Herbenick u. a., 2017). Was gutes BDSM von einem schlechten Erlebnis trennt, ist selten die Ausrüstung. Es ist das Gespräch davor.
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Was heisst Einvernehmlichkeit beim BDSM?
Dass alle Beteiligten wollen, was passiert, und zwar vorher, währenddessen und jederzeit widerrufbar. Der Gesundheitsdienst der Columbia University spricht von gegenseitiger, begeisterter und fortlaufender Zustimmung. Sie ist es, die BDSM von Missbrauch unterscheidet. Ein Ja zu Handfesseln ist kein Ja zu allem, was danach kommt. Und ein Ja von gestern gilt heute nur, wenn es heute noch stimmt.
Wer betrunken oder berauscht ist, kann nicht wirksam zustimmen, schreibt Columbia an anderer Stelle. IWWIT, die Kampagne der Deutschen Aidshilfe, rät, dass zumindest der aktive Part einen klaren Kopf behält, und die Haltung zu Drogen vor dem Spiel zu klären.
Worüber sprecht ihr vorher?
Über Wünsche, Grenzen und das, was danach kommen soll. Columbia empfiehlt, vorher die eigenen harten Grenzen zu klären, also Dinge, die auf keinen Fall passieren sollen. Das Schweizer Präventionsangebot Dr. Gay rät zu klaren Absprachen, dazu, ein «Stopp» immer zu respektieren, und dazu, langsam zu beginnen und die Intensität erst nach und nach zu steigern.
So ein Gespräch muss nicht förmlich sein. Manche schreiben Listen mit «Ja», «Vielleicht» und «Nein» und vergleichen sie. Andere reden beim Abendessen darüber, was sie neugierig macht. Wichtig ist nur, dass es vor dem Spiel stattfindet und nicht mittendrin, wenn alle schon aufgeregt sind.
Was ist ein Safeword?
Ein Wort, das sofort alles stoppt. Columbia beschreibt es als Signal an alle Beteiligten, sofort aufzuhören. IWWIT rät, ein solches Codewort vor dem Spiel zu vereinbaren. Es sollte ein Wort sein, das im Spiel sonst nicht vorkommt. «Nein» und «Hör auf» können Teil eines Rollenspiels sein, ein Wort wie «Ananas» nicht.
Kann jemand nicht sprechen, etwa wegen eines Knebels, braucht es ein Zeichen ohne Worte. Columbia nennt Klatschen oder Fingerschnippen. Die gemeinnützige Aufklärungsseite Scarleteen nennt ausserdem Klopfen, eine Hand heben oder einen Ball in der Hand halten, der zum Stoppen fallen gelassen wird. Gerade der Ball ist praktisch, weil er auch dann funktioniert, wenn die Hände gefesselt sind.
Was passiert, wenn das Safeword fällt?
Alles hält an, sofort und ohne Diskussion. Das ist der Sinn des Wortes. Danach geht es zuerst um die Person, die gestoppt hat. Fesseln lösen, Augenbinde ab, eine Decke, etwas zu trinken. Ob und wann es weitergeht, entscheidet sie, nicht die andere Person. Auch wer aktiv ist, darf jederzeit abbrechen, wenn sich etwas nicht mehr richtig anfühlt. Die Cleveland Clinic, eine Klinik in den USA, rät allgemein, aufzuhören, sobald man sich nicht mehr sicher oder wohl fühlt.
Ein Safeword, das fällt, ist kein Scheitern. Es zeigt, dass eure Absprache funktioniert. Sprecht später in Ruhe darüber, was den Moment ausgelöst hat, damit ihr es beim nächsten Mal anders machen könnt.
Fesseln ohne Risiko?
Ganz ohne Risiko nicht, aber mit wenigen festen Regeln. Dr. Gay nennt sie deutlich. Eine gefesselte Person darf nie allein gelassen werden. Sie muss sofort befreit werden können, deshalb liegen für den Notfall Scheren oder Messer mit abgerundeten Enden bereit. Das Atmen muss immer möglich bleiben, und die Arterien zu Kopf, Armen und Leiste dürfen nicht abgebunden werden.
Fesseln werden so locker gebunden, dass das Blut weiter fliesst, schreibt Scarleteen. Manche Materialien ziehen sich unter Zug zusammen und können die Durchblutung von Hand oder Fuss abschnüren. Schwellen Arme oder Beine an oder wird jemand ohnmächtig, muss sofort gelöst werden, so Dr. Gay. Frag während des Spiels ruhig nach, wie es sich anfühlt, und schau auf Hände und Füsse.
Nichts gehört um den Hals. Würgen kann schon nach Sekunden zu schweren Verletzungen, einem Schlaganfall oder zum Tod führen, schreibt Scarleteen, und eine sichere Art gibt es dafür nicht.
Weil sich eine gefesselte Person jederzeit sofort befreien lassen muss, liegt für den Anfang alles nahe, was sich mit einem Griff öffnen lässt, etwa ein Klettverschluss oder eine Schnalle. Knoten, die sich unter Zug festziehen, sind das Gegenteil davon.
Was ist Aftercare?
Die Zeit nach dem Spiel, in der ihr füreinander sorgt. Scarleteen beschreibt Aftercare als Fürsorge, die über die Szene hinausgeht. Das kann eine Decke sein, ein Glas Wasser, Kuscheln, ein ruhiges Gespräch oder einfach Zeit für sich. Was jemand braucht, ist sehr verschieden. Columbia rät, auch das vorher zu besprechen.
Wer am Morgen danach unsicher ist, ob alles in Ordnung war, spricht das an. Auch das gehört zu einem Spiel, das auf Absprachen beruht.
Womit anfangen?
Mit wenig. Eine Augenbinde nimmt einen Sinn weg, und sie lässt sich jederzeit abnehmen. Dafür reicht ein weiches Tuch. Ein Spiel mit Anweisungen, bei dem eine Person bestimmt und die andere folgt, braucht gar keine Ausrüstung. So lernt ihr, wie sich Kontrolle abgeben und übernehmen anfühlt, bevor ihr über mehr nachdenkt.
Unsere Auswahl in diesem Bereich ist klein. Unter SM & Bondage stehen etwa Masken und Nippelklemmen. Wie lange eine Klemme getragen werden darf, steht in der Anleitung des Herstellers. Halte dich daran.
Hygiene und Pflege
Ausrüstung, die mit Haut oder Körperflüssigkeiten in Berührung kommt, gehört nach dem Spiel gereinigt. IWWIT rät, SM-Spielzeug sorgfältig zu desinfizieren, bevor es eine andere Person benutzt. Wie du Toys aus verschiedenen Materialien reinigst, erklärt der Ratgeber Sextoys reinigen und aufbewahren. Fesseln aus Stoff oder Kunstleder reinigst du so, wie es der Hersteller angibt.
Und wenn ihr zu zweit Toys einbezieht, die nichts mit Fesseln zu tun haben, findest du Ideen im Ratgeber Sextoys für Paare.
